Geschichte von Tunesien
Ur- und Frühgeschichte
Eine menschliche Besiedlung Nordafrikas ist seit Beginn der Altsteinzeit (Paläolithikum) nachweisbar. Untersuchungen an Steinwerkzeugen aus dem Süden Tunesiens ergaben ein Alter zwischen 100 000 und 150 000 Jahren. Ab ca. 8 000 v. Chr. taucht nach dem Cro- Magnon-Mensch der Homo Sapiens auf. Dieser wahrscheinlich negroide Mensch lebte als Jäger und Sammler in der damals noch wildreichen Savannenlandschaft. Auftretende Klimaveränderungen ( spätestens seit dem 6. Jahrtausend kündigt sich die zunehmende Austrocknung der Sahara an) bewirken eine Abwanderung der zentralsaharischen Stämme nach Norden. Dort entsteht nun ab ca. 3 000 v. Chr. eine neue Völkermischung aus verschiedenen Stämmen ohne politische Einheit. Von den Griechen werden diese Stämme später als Numider, Libyer, Nubier u. a. bezeichnet. (Numider bedeutet "nicht seßhaft", von daher leitet sich der Begriff "Nomaden" her). Für die Römer waren es später die " Barbari", woraus sich der heute gebräuchliche Ausdruck "Berber" für die Urbevölkerung des Landes ableitet.
Im 2. Jahrtausend v. Chr. legen die Phönizier, ein Seefahrervolk aus dem Raum Libanon, Syrien, Palästina Ankerplätze und Handelskolonien entlang der Mittelmeerküste an. Um 814 v. Chr. wird an der Maghrebküste die Stadt Karth Hadasht (Neue Hauptstadt, röm. Karthago) gegründet, welche vom 7. Jahrhundert an zum zentralen Ausgangspunkt für weitere Koloniegründungen und zur wichtigsten Bastion gegen die griechische Expansion wird. In den folgenden Jahrhunderten gerät das phönizische Mutterland immer mehr in Bedrängnis durch Vorstöße der Perser und Griechen, der Niedergang der Etrusker hinterläßt zudem ein Machtvakuum und Karthago gewinnt zunehmend an Bedeutung . Kartagho
Spätestens nach der Zerstörung des phönizischen Tyros (332 v. Chr.) durch Alexander den Großen wird Karthago zum Alleinerben der phönizischen Kultur und steigt zur größten Seemacht im westlichen Mittelmeer auf. Mit 400 000 Einwohnern ist sie die größte und wohl auch wohlhabendste Metropole des Mittelmeerraums.
Karthagos Außenpolitik wird jahrhundertelang vom Konflikt mit den Griechen bestimmt. Zur Sicherung des eigenen Seehandelswegs nach Spanien gründet Karthago mehrere Stützpunkte unter anderem auch auf Sizilien, das wiederum die Griechen für sich beanspruchen. Um die Mitte des 4. Jahrhunderts, als sich Karthager und Griechen zu Großmächten etabliert haben, beginnt auf Sizilien ein Dauerkrieg mit wechselndem Kriegsglück. Mit den zu jener Zeit noch recht unbedeutenden Römern als Verbündete leisten die Karthager den Feldzügen des Makedonierkönigs Pyrrhus von Epiros (285-270) Widerstand. Im Anschluß daran kommt es mit den Römern zu einem Streit um den Besitz der Stadt Messina. Rom verbündet sich mit Karthagos Erzfeind Syracus.  
Der Erste Punische Krieg (264-241) beginnt (Die Römer nannten die Karthager "Poeni", Phönizier des Westens). Dank ihrer größeren Reserven an Menschen und Material bleiben die Römer siegreich und Karthago muss schließlich 242 den römischen Friedensbedingungen zustimmen und verliert Sizilien. In der Folgezeit konzentriert sich Karthago auf den Gewinn neuer Einflußsphären in Spanien. Mit Rom ist der Ebro als Grenze vereinbart, jedoch führt ein Konflikt um die südlich des Flusses gelegene, aber prorömische Stadt Sagunt zum  
Duga
Hannibal Zweiten Punischen Krieg (218-201). Im Frühjahr 218 überschreitet Hannibal mit 40-60 000 Mann, 12 000 Reitern und 37 Elefanten den Ebro, zieht quer durch Südfrankreich und überwindet unter großen Verlusten die Alpen, um die Römer in ihrem eigenen Bereich zu schlagen. Er errang in den Jahren 217 und 216 zwei wichtige Siege, darunter den berühmten bei Cannae. "Hannibal ante portas" - Hannibal vor den Toren, versetzte die Römer in begeiflichen Schrecken. 211 gelangt Hannibal bis vor die Tore Roms, aber auch hier zeigen sich die überlegenen Reserven der Römer.
Hannibal unterliegt schließlich der Übermacht der Römer und auch, weil er von Karthago nicht genügend unterstützt wird. Karthago läßt ihn fallen, er kehrt nach Afrika zurück und stellt sich (202) einer entscheidenden Schlacht mit den Römern. Hannibal unterliegt und Karthago muss dir römischen Forderungen akzeptieren. Nach diesem zweiten Krieg hat Karthago seine Vormachtstellung endgültig verloren. Es steht nun ganz unter der Kontrolle Roms, sein Heer ist vernichtet, alle außerafrikanischen Besitztümer sind verloren. und den enormen Reparationszahlungen kann es kaum Folge leisten.

Rom sucht und findet einen Anlaß, den auch weiterhin unliebsamen Konkurrenten endgültig zu vernichten. Im Dritten Punischen Krieg (149-146) kommt es schließlich zur Zerstörung Karthagos, die Stadt wird gewaltsam eingenommen, die Gebäude niedergebrannt, die Erde umgepflügt und mit Salz bestreut, um sie für alle Zeiten unfruchtbar zu machen. Nur wenige Karthager überleben. Diejenigen, die überleben und nicht versklavt werden, fliehen in die Küstenstädte und ins Landesinnere, wo sie ihre Sprache und Sitten noch lange bewahren können. Bis ins 5. Nachchristliche Jahrhundert hinein ist die punische Sprache nachweisbar.

Nach der Zerstörung Karthagos wird das punische Kernland (bis Sfax) zur römischen Provinz "Africa" (146 v. Chr.) mit der neuen Hauptstadt Utica. 46 v. Chr. erreicht diese römische Provinz etwa die Größe des heutigen Tunesien. Überall im Land wachsen neue Siedlungen und Städte, an den Grenzen entstehen Forts und Verteidigungsanlagen gegen numidische Übergriffe und selbst das für alle Zeiten zerstörte Karthago wird wieder aufgebaut. Nach all den Kriegswirren folgt nun im 2. Und 3. Jahrhundert eine Blütezeit. Zahlreiche Prachtbauten entstehen in den Städten, die Provinz zählt zu den reichsten des Imperiums, Karthago wetteifert an Glanz mit Rom, Afrikaner steigen in die höchsten Positionen der Hauptstadt auf. 193 n. Chr. wird ein Afrikaner aus dem Gebiet des heutigen Libyen ( Septimius Severus ) Kaiser von Rom. El Jem

Zahlreiche römische Ausgrabungsstätten mit prächtig erhaltenen Ruinenresten, Tempeln und Theateranlagen zeugen heute noch vom Glanz und Reichtum dieser Epoche.

Gegen Ende des 3. Jahrhunderts bahnt sich das Ende dieser Blütezeit an. Zu sozialen inneren Unruhen kommen religiöse Spannungen durch die einsetzende Christianisierung. Christliche Missionare treten in Afrika schon im späten 1. Jahrhundert auf, der erste Bischof ist ab 197 belegt. Ab dieser Zeit kommt es auch zu den Christenverfolgungen, die Ausbreitung des Christentums ist aber nicht mehr aufzuhalten. 313 erkennt Konstantin die neue Religion als gleichberechtigt an, 380 wird sie unter Theodosius zur Staatsreligion. Kriegerische Überfälle durch benachbarte Berberstämme und der Zerfall des römischen Reiches zu Beginn des 5. Jahrhunderts beenden schließlich die römische Vormachtstellung.

Kollosseum

Im Zuge der durch den Hunnensturm ausgelösten Völkerwanderung dringt das germanische Volk der Vandalen zu Beginn des 5. Jahrhunderts über Spanien nach Nordafrika vor. In der geschwächten Provinz Africa kann sich ihr Führer Geiserich 439 zum absoluten König machen und gründet den ersten völlig unabhängigen Germanenstaat.. Nach der Plünderung Roms 455 dehnt sich sein Reich bis nach Sardinien, Korsika und Malta aus, aber nach seinem Tod 477, Berberaufständen und inneren Zwistigkeiten zerfällt die Vandalenherrschaft rasch. Plünderung, Zerstörung, "Vandalismus". Keinerlei Bauten oder Schriften sind aus der Vandalenzeit bekannt.

533 landet der byzantinische Feldherr Belisar im Auftrag des Kaisers Justinian bei Monastir, um die alte römische Afrikaprovinz für das oströmische Reich zurückzuerobern, vertreibt die Vandalen endgültig und befestigt den gesamten Küstenbereich. Die alte römische Ordnung wird formell wiederhergestellt. Aber wie schon die römische und die vandalische Herrschaft zerfällt auch die byzantinische Herrschaft durch Berberaufstände, Dynastiestreitigkeiten und Religionskonflikte. Zu Beginn des 6. Jahrhunderts wird von Karthago sogar ein Gegenkaiser zu Rom ausgerufen.

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Author : Edeltraud Zarrouk-Klein Redaktion Internet Touristikverlag.

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